Von Marco Schleehuber · 3. Juli 2026
Kurzantwort
Seit dem 22. August 2024 gilt in Deutschland ein gesetzlicher THC-Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum. Dieser Wert ist in seiner Bedeutung grob mit der 0,5-Promille-Grenze beim Alkohol vergleichbar. Ein einmaliger Verstoß knapp darüber führt bei Ersttätern in der Regel zu einem Bußgeld – nicht automatisch zu einer MPU (gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juli 2026).
Wie hoch ist der THC-Grenzwert?
Der Wert von 3,5 ng/ml wurde auf Empfehlung einer interdisziplinären Expertenarbeitsgruppe festgelegt und über eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (§ 24a StVG) eingeführt. Er markiert die Schwelle, ab der eine Fahrt unter Cannabiseinfluss als Ordnungswidrigkeit geahndet wird.
Für bestimmte Gruppen gelten strengere Regeln: In der zweijährigen Probezeit und für Fahrerinnen und Fahrer unter 21 Jahren gilt ein absolutes Cannabis-Verbot. Der Grenzwert von 3,5 ng/ml greift hier nicht – bereits geringere Werte werden geahndet.
Welche Strafen drohen?
Wer mit 3,5 ng/ml THC oder mehr fährt, riskiert beim ersten Mal in der Regel ein Bußgeld von 500 Euro, einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Bei Wiederholung steigen Bußgeld und Fahrverbot deutlich an.
Besonders streng wird der Mischkonsum bewertet: Wer Cannabis und Alkohol kombiniert, muss beim Erstverstoß mit rund 1.000 Euro Bußgeld, einem Monat Fahrverbot und zwei Punkten rechnen. In der Probezeit oder bei Fahranfängern kommen zusätzliche Maßnahmen hinzu.
Wann führt Cannabis am Steuer zur MPU?
Ein einmaliger Erstverstoß löst in der Regel keine MPU aus. Kritisch wird es, wenn
- es zu wiederholten Fahrten unter Cannabiseinfluss kommt,
- Anzeichen für einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit bestehen, oder
- besonders hohe Werte festgestellt werden.
Die genauen Voraussetzungen regelt § 13a FeV. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihnen nach einem Verstoß eine MPU droht, hilft ein Blick auf den Ablauf der MPU und die allgemeinen Informationen unter MPU wegen Cannabis sowie MPU wegen Drogen.
Was bei einer Cannabis-MPU geprüft wird
Kommt es zur MPU, geht es vor allem um Ihr Konsumverhalten und Ihr Problembewusstsein. Die Gutachterin oder der Gutachter möchte nachvollziehen, ob Sie zuverlässig zwischen Konsum und Fahren trennen können oder ob ein problematisches Muster vorliegt. Häufig werden Abstinenz- oder Kontrollnachweise verlangt. Welche Nachweisformen es gibt und wie viel Vorlauf sie brauchen, erklären wir unter Abstinenznachweise.
Wird der Grenzwert gesenkt?
Für 2026 wird diskutiert, ob der Grenzwert von 3,5 ng/ml abgesenkt wird – im Gespräch sind Werte in Richtung 2,0 oder 1,0 ng/ml. Final beschlossen ist hierzu bislang nichts (Stand: Juli 2026). Parallel diskutieren Fachverbände über strengere Kriterien bei Cannabis-MPUs. Wer betroffen ist oder regelmäßig konsumiert, sollte die Entwicklung im Blick behalten, da sich die Rechtslage kurzfristig ändern kann.
So verhalten Sie sich richtig
Der sicherste Weg ist, Konsum und Fahren strikt zu trennen. THC ist im Blut noch nachweisbar, wenn die spürbare Wirkung längst abgeklungen ist – gerade bei regelmäßigem Konsum kann der Wert über viele Stunden erhöht bleiben. Verzichten Sie im Zweifel auf die Fahrt, statt sich auf ein Gefühl zu verlassen. Wenn bereits ein Verfahren läuft, sollten Sie frühzeitig prüfen (lassen), ob die Voraussetzungen für eine MPU-Anordnung überhaupt vorliegen, und rechtzeitig mit einer seriösen Vorbereitung beginnen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der THC-Grenzwert? 3,5 ng/ml Blutserum, gültig seit dem 22. August 2024.
Bekomme ich beim ersten Verstoß eine MPU? In der Regel nicht. Meist folgen Bußgeld, Fahrverbot und Punkte.
Was gilt in der Probezeit? Dort gilt ein absolutes Cannabis-Verbot; der Grenzwert greift nicht.
Was passiert bei Mischkonsum mit Alkohol? Die Strafen sind höher: rund 1.000 Euro, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte beim Erstverstoß.
Wird der Grenzwert 2026 gesenkt? Das wird diskutiert, ist aber nicht beschlossen (Stand: Juli 2026).
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.