Promille & Anordnung

Kann eine Alkoholfahrt mit rund 1,3 Promille zu einer MPU führen, und welche weiteren Umstände sind entscheidend?

Kurz eingeordnet

Ja, auch bei rund 1,3 Promille kann eine MPU verlangt werden. Der Wert allein löst sie noch nicht automatisch aus, anders als ab 1,6 Promille. Nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts kann aber schon eine einzige Fahrt mit einem Kraftfahrzeug ab 1,1 Promille ausreichen, wenn trotz des hohen Werts keine alkoholbedingten Auffälligkeiten festgestellt wurden. Das kann auf eine starke Gewöhnung an Alkohol hinweisen. Mehrere Alkoholverstöße können ebenfalls eine MPU auslösen. Entscheidend sind deshalb auch der Polizeibericht, die ärztlichen Feststellungen bei der Blutentnahme und frühere Vorfälle. „Ich war unter 1,6 Promille“ reicht als Einwand dann nicht aus.

Herkunft und Quellenbezug

Die Fragestellung wurde anonymisiert und redaktionell aus mehreren öffentlich zugänglichen Diskussionen gebündelt.

Quelle: GutefrageOriginaltitel: MPU bei 1,28 PromilleOriginalquelle öffnen
Weitere 3 Quellen

Einordnung aus der Praxis

Marco SchleehuberPraxis & Vorbereitung

Nimm neben dem Strafbefehl auch den ärztlichen Bogen zur Blutentnahme mit. Dort stehen oft Angaben zu Sprache, Gang, Orientierung und Verhalten. Sie können erklären, weshalb die Behörde eine MPU verlangt. Halte außerdem fest, was du an dem Abend getrunken hast. Bleib bei deiner Erinnerung; erfinde keine Auffälligkeiten, um die rechtliche Bewertung zu beeinflussen.

Kurt StranzKriterien & fachliche Einordnung

Bei einem hohen Alkoholwert kann es gerade gegen dich sprechen, wenn du noch unauffällig wirkst. Das kann zeigen, dass dein Körper an größere Mengen gewöhnt ist. Ein Fahrfehler wird dagegen anders bewertet. Im Strafverfahren geht es darum, ob du bei dieser Fahrt noch fahrtüchtig warst. Bei der MPU geht es auch darum, ob solche Fahrten künftig wieder zu erwarten sind.